Wahlbeteiligung

Eine kritische Größe für demokratische Ordnung: die Wahlbeteiligung. Sie ist quasi die Legitimation der Demokratie.

Um die Wahlbeteiligung bei den Studierenden-Parlaments-Wahlen in diesem Jahr zu steigern, hat sich der Wahlausschuss eine Verlosung ausgedacht: jeder Wähler erhält nach der Stimmzettelabgabe ein Los (Briefwähler gehen meines Wissens leer aus). Pro drei Prozent Wahlbeteiligung wird ein Amazon-Gutschein im Wert von 10,- € verlost. D.h. ungefähr jeder 1000ste Wähler wird einen Gutschein gewinnen.

Die Idee ist (im demokratischen Sinne) gut: wählen wird belohnt. Die Aktion wird aber leider nicht ihre volle Wirkung entfalten: von der Aktion erfährt man nach der Abgabe seiner Stimme. Kein Hinweis in der Wahlzeitung, keine Aushänge.

Man bestärkt damit vor allem diejenigen, die sowieso wählen gehen, darin, weiterhin zu wählen (was natürlich nicht schlecht ist!). Die Wahlverweigerer erreicht man aber nur schlecht (bestenfalls durch Mund-zu-Mund-Propaganda).

Schade, Chance verpasst. 

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König Kunde

Zum Thema Hochschulbibliothek hätte ich übrigens noch was. Den Beitrag hatte ich noch unveröffentlicht hier „rumliegen“, die Umbaumaßnahmen sind mittlerweile abgeschlossen.

Die Hochschulbibliothek der RWTH-Aachen befindet sich zur Zeit in einer größeren Umbauphase. Darunter leiden leider auch die Nerven der Mitarbeiter. Oder besser gesagt: hoffentlich leiden die Nerven darunter. Denn das wäre die einzige denkbare Entschuldigung für das Verhalten der Mitarbeiterin von heute.

Gestern habe ich in der Hochschulbibliothek Bücher abgeholt, die ich per Internet vorbestellt hatte. Zu Hause merkte ich, dass die Bücher in meinem Online-Konto nicht als abgeholt markiert waren, sondern immer noch als für mich „bereitliegend“. Das kam mir seltsam vor.

Heute konnte ich neben anderen zwei der falsch verbuchten Bücher wieder zurückbringen. Ich erklärte schon vor der Rückgabe, dass scheinbar ein Buchungsfehler vorliegt und noch weitere Bücher betroffen sind. Die Mitarbeiter waren sichtlich bemüht, den Fehler im System zu korrigieren; der Fall sorgte für einige Aufregung beim Personal, weil das System einen solchen Fehler bei korrekter Bedienung eigentlich nicht zulässt. Außerdem war man froh, dass ich die Bücher überhaupt zurückgebracht habe.

Dann aber wurde der Fall zur Chefsache: eine sehr wichtige Frau betrat den Rückgabebereich und ließ sich alles noch mal erklären. Vorwurfsvoll fragte sie mich:

Also Sie haben jetzt noch Bücher zu Hause die hier im System als noch hier lagernd verzeichnet sind?

Ich musste das leider bejahen. Die Mitarbeiterin wirkte genervt. Sie begann zu tippen. Zwischendurch fragte sie in immer noch vorwurfsvollem Ton:

Hat der Mitarbeiter die Bücher bei der Abgabe denn nicht gescannt?

Weil ich bei der Buchausgabe immer sehr genau darauf achte, was der Mitarbeiter mit den Büchern macht, bevor er sie mir aushändigt konnte ich zum Glück sehr überzeugt antworten:

Keine Ahnung, ich schätze schon.

Die Laune der „Chefin“ verbesserte sich dadurch nicht. Aber was soll ich machen? Achtet Ihr immer darauf, ob die Kassiererin beim ALDI die richtigen Tasten drückt? Ich achte eigentlich nur darauf, ob die Beträge grob plausibel scheinen… Während die „Chefin“ sich weiter um den Fall kümmerte, belehrte sie übelgelaunt alle umstehenden Mitarbeiter. Man müsse den neuen Mitarbeitern halt immer über die Schulter schauen und die nicht einfach machen lassen. Sonst passiere sowas andauernd und dann habe man den Schlamassel. Aber das interessiere natürlich sonst keinen.

Dann wurde ich wieder angesprochen:

Ich habe jetzt hier eine Notiz eingefügt, dass Sie die Bücher haben, Sie müssen die jetzt allerdings schnellstmöglich hier vorzeigen, damit wir wissen, dass sie die haben oder ob sie die nicht haben.

Auf meine Frage, ob ich dafür (erfundene) 20 Kilometer nach Hause fahren soll um die Bücher zu holen, reagierte sie gar nicht. Auf den Hinweis, es handele sich hier nicht um einen Fehler von mir und es wäre doch nett von mir, dass ich überhaupt was gesagt hätte erklärte sie mir folgendes:

Das weiß ich, aber das tut ja nun nichts zur Sache. Wenn hier steht, Sie hätten die Bücher bestellt und die sind nicht hier, dann müssen sie die ersetzen. Das ist nun mal so.

Die perfekte Vorlage für eine hitzige Debatte einen wortlosen Abgang. Ich habe keine Ahnung, was sie mir noch hinterhergerufen hat. Es klang ein bisschen verzweifelt aber immer noch nicht freundlich.

Eins ist klar: wenn man für den Fehler eines anderen vor anderen Kunden und Mitarbeitern derart blöd runtergemacht wird, hinterlässt das keinen guten Eindruck. Beim nächsten Mal überlege ich zweimal, ob ich die Bücher nicht lieber bei eBay versteigere. Denn auch wenn die „Chefin“ was anderes meint: wenn die die Bücher nicht finden, muss natürlich nicht derjenige die ersetzen, der sie zufällig bestellt hat.

Die Service-Offensive

Den Online-Service der zentralen RWTH-Hochschulbibliothek finde ich gut. Alle Standardfunktionen sind zuverlässig verfügbar. Suchen von Medien, ausleihen, Ausleihe verlängern, ausgeliehene Medien einsehen, Listen anlegen und einiges andere ist möglich. Und man bekommt kurz vor Ablauf der Leihfrist eine eMail, die einen an die Rückgabe bzw. Verlängerung erinnert.

Das ist ein netter Service, insbesondere in Zeiten, in denen man sehr viele Bücher ausgeliehen hat und so die einzelnen Zeiten nicht mehr im Blick hat oder auch zu Zeiten, in denen man sehr wenige Bücher hat und daher selten in sein Konto schaut.

Die Hochschulbibliothek hat ihren eMail-Service scheinbar zum Jahreswechsel eingestellt. Jetzt gibts bei versäumter Rückgabe eine schriftliche Mahnung per Post. Zum Glück hatte ich gerade nur ein Buch. Das ist bei mit über die Weihnachtsferien scheinbar in Vergessenheit geraten. Jetzt sind 5,- € Säumnisgebühren fällig. Das hätte für mich zu anderen Zeiten auch richtig teuer werden können. Ich vermute mal, dass nicht alle soviel Glück hatten…

Die Bibliothek hat jetzt immerhin „Mehr Platz, mehr Service“ durch die  „Ausleihhalle in neuem Glanz!„. Ach, und darauf haben sicher alle gewartet: „Medien-Verlängerungen jetzt auch telefonisch!„. Nachlesen kann man das bei den News.

Einen Hinweis auf die Abschaltung des eMail-Erinnerungs-Dienstes suche ich auf der Newsseite vergebens.

Praktische vs. faktische Schadenserweiterung

Heute habe ich dazugelernt. Ich weiß jetzt, was eine Schadenserweiterung ist. Und das, weil keine Schadenserweiterung stattgefunden hat. Was ist passiert?

Vor einiger Zeit wurde ich Zeuge eines Parkremplers. Ich stand mit einer Freundin auf einem Parkplatz. Neben meinem Auto, ein paar Meter von ihrem Auto entfernt. Ein weiteres Auto erreicht den ziemlich leeren Parkplatz, die Fahrerin entscheidet sich rückwärts einzuparken. Sie wählt den Parkplatz vor dem Auto meiner Freundin, verschätzt sich und fährt ziemlich heftig gegen das geparkte Auto. An beiden Autos ist nichts zu sehen. Man tauscht trotzdem Adressen aus.

Kurze Zeit später stellt ein Sachverständiger fest: der gesamte vordere Stoßfänger am Auto der Freundin ist beschädigt, ebenfalls beide Kotflügel. Meine Freundin entscheidet sich, auch auf Anraten des Sachverständigen, den Schaden nicht reparieren zu lassen, sondern fiktiv abzurechnen. Die Versicherung der Unfallgegnerin besteht darauf, dass ein weiterer Sachverständiger das Fahrzeug begutachtet, weil die Gegnerin behauptet, an ihrem Fahrzeug sei kein Schaden entstanden.

Der Sachverständige der DEKRA (Aachen) bittet daher die beiden Unfallfahrzeuge zur Besichtigung zu sich. Er findet Beschädigungen an beiden Fahrzeugen und kann das Gutachten des ersten Sachverständigen bestätigen.

Im Rahmen der Untersuchung stellt er die Fahrzeuge wie beim Unfall hintereinander um zu prüfen, ob die Schäden tatsächlich vom beschriebenen Auffahrunfall stammen können. Die Autos stehen ca. 1m voneinander entfernt. Er schiebt das Fahrzeug der Unfallgegnerin langsam näher heran.

Im letzten Moment beschleunigt das Auto wegen einer Bodenwelle und trifft erneut auf das Fahrzeug meiner Freundin. Weniger heftig als beim Einpark-Rempler, aber deutlich hörbar. Er flucht kurz, macht dann aber weiter. Wir sind fassungslos. Ich rechne mit einer Entschuldigung oder einer kurzen Stellungnahme, aber nichts der gleichen passiert.

Rein optisch hat es durch den erneuten Aufprall eine optische Verschlechterung entstanden. Der Stoßfänger ist jetzt deutlicher verzogen. Auf eine Reparatur zu verzichten kommt jetzt für meine Freundin nicht mehr in Frage.

Eine knappe viertel Stunde später ist der Sachverständige fertig. Eine Stellungnahme oder Entschuldigung wegen des Malheurs hielt er offensichtlich nicht für nötig. Auf Nachfrage erklärte er, er könne nicht ausschließen, dass durch sein Handeln der Stoßfänger weiter beschädigt wurde. Jedoch liege hier keine Schadenserweiterung vor. Der Stoßfänger werde durch die Versicherung so oder so ersetzt. Weitere Teile seien durch sein Missgeschick nicht betroffen gewesen.

Die Logik des DEKRA-Mitarbeiters ist sehr elegant: der Stoßfänger war „kaputt“, als er in die Werkstatt kam. Die Beschädigung war derart, dass die Halterin auf die Reparatur verzichtet hätte und mit der Versicherung fiktiv abgerechnet hätte. Jetzt ist sie, wegen des zusätzlichen Schadens, dazu nicht mehr bereit. Die Versicherung jedoch kann (und muss) weiterhin nichts machen, außer den Ersatz des Stoßfängers zu zahlen. Praktisch also keine Schadenserweiterung.

Faktisch sieht es jedoch anders aus: die Beschädigung ist jetzt deutlicher sichtbar als vorher. Der Schaden für meine Freundin hat sich also erweitert.

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Natürlich bin ich gespannt, wie die Sache ausgehen wird. Aber skandalös an der Sache war nur der DEKRA-Mitarbeiter. Es ist vollkommen klar: hier ist ein dummes Missgeschick passiert, was bestimmt hätte vermieden werden können, aber nicht absichtlich verursacht wurde. Ein Ausdruck des Bedauerns, oder wenigstens irgendeine an die beiden Halter gerichtete, unaufgeforderte Reaktion wäre das Mindeste gewesen.

Traurig, dass man auch für solch basal-banalen Dinge Mitarbeiterschulungen zu brauchen scheint, denn eigentlich sollten hier Erziehung und Sozialisation reichen…

Lernen in Aachen

Es ist an der Uni nicht immer ganz leicht Plätze zu finden, an denen man lernen kann. Besonders, während der Klausurphasen muss man da schon mal mehrere Stellen besuchen, bevor man einen freien Platz findet.

Erschwerend kommt dazu: für jedes „Lernarrangement“ braucht man die passende Umgebung. Zum Erstellen von Präsentationen oder die Internetrecherche braucht man eine Steckdose, für Texte von Wittgenstein, Saussure und Minnameier braucht man vor allem Ruhe, für das Lernen in Gruppen muss man reden dürfen.

Gerade fürs Lernen in der Gruppe bietet es sich an, sich in einer gastronomischen Einrichtung zu treffen. Dort ist meistens genügend Platz, man kann zwischendurch jederzeit essen oder trinken, ohne das Lernen unterbrechen zu müssen und der Geräuschpegel ist meistens angenehm.

Im Laufe meines Studentenlebens habe ich mit unterschiedlichen Lerngruppen bereits verschiedene Lokale in Aachen zum Lernen „belagert“. Ein paar Mal durchaus mit etwas schlechtem Gewissen, weil wir manchmal (aber selten) mit einem Getränk pro Person mehrere Stunden dort verbracht haben. Keiner der Lokalbesitzer/Mitarbeiter hat sich bei uns beklagt oder uns rausgebeten.

Seit einiger Zeit gibt es eine neue „Caffè-Bar“ des Studentenwerks. Das „C-Cafè“ im SuperC, direkt neben dem Hauptgebäude der RWTH. Das Studentenwerk versteht sich laut Selbstbeschreibung

als modernes Dienstleistungsunternehmen für 37.000 Studierende […]. Als Anstalt des öffentlichen Rechtes haben wir einen öffentlichen und wirtschaftlichen Auftrag […]. Für das Studentenwerk wird in jedem Semester von allen immatrikulierten Studierenden ein Beitrag (siehe Beitragsordnung) erhoben. […]
Mit unseren Dienstleistungen möchten wir dazu beitragen, dass studieren gelingt.

[Quelle], Hervorhebung & Auslassungen von mir.

Seit ca. einem Jahr treffen wir uns mit einer 3-Personen-Lerngruppe regelmäßig dort zum lernen. Wir sitzen immer an einem Vierertisch und haben ein Netbook und pro Person einen DIN-A4 Ordner auf dem Tisch. Regelmäßig Essen und Trinken wir während unserer Lerntreffen dort auch.

Seit kurzem ist das C-Cafè die erste Einrichtung, in der man uns gebeten hat, unser Lernverhalten innerhalb der Einrichtung einzustellen zu ändern. Sinngemäß bat uns die Mitarbeiterin freundlich um Folgendes:

Das hier ist kein Lernraum. Also wenn ihr hier über Probleme diskutiert ist das vollkommen in Ordnung. Und wenn dafür einer seinen Ordner auspackt ist das auch ok. Aber wenn ihr hier den ganzen Tisch voll habt, dann sieht das halt nicht mehr aus wie ein Cafè.

Im C-Cafè kann man natürlich Bier kaufen.

Mit unseren Dienstleistungen möchten wir dazu beitragen, dass studieren gelingt.

Dankeschön!

Studentische Selbstbespaßungverwaltung

Gestern war konstituierende Sitzung des Studierendenparlaments (SP). In dieser ersten Sitzung des neugewählten Parlaments werden vor allem die Mitglieder des neuen Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) gewählt, die eigentliche Studierendenvertretung (Exekutive). Unter anderem muss jemand gewählt werden, der sich um die Finanzen des AStA kümmerst. Der sogenannte Finanzreferent. Der Ablauf der Wahl dieses Referent wirft ein ziemlich trauriges Licht auf die Arbeit im SP.

Die Wahl des Referenten läuft formal so ab, dass zunächst Vorschläge gesammelt werden, dann die Kandidaten die Möglichkeit bekommen sich vorzustellen und im Anschluss daran jeder Student die Möglichkeit hat, fragen an den Kandidaten zu richten. Danach wird geheim gewählt; jedes gewählte Mitglied des SP hat eine Stimme.

Es gab nur einen Kandidaten für das Amt des Finanzreferenten. In seiner Vorstellung erklärte dieser, er habe bereits Erfahrungen im Bereich Finanzen sammeln können. Er sei in einem großen Verein für die Finanzen verantwortlich gewesen (erst als Kassenführer, später als Kassenprüfen). Außerdem sei er ehrlich, motiviert und zuverlässig.

Man kann darüber streiten, ob das die Voraussetzungen sind, die einen für die Aufgabe eines Finanzreferenten qualifizieren. Es ist kein dankbarer Job, aber ein verantwortungsvoller, mit dem auch ein erhebliches Machtpotential verbunden ist. Jemand der ehrlich, motiviert und zuverlässig ist, dürfte da genau der richtige sein.

In der auf die Vorstellung folgende Befragung kam der Kandidat immer wieder darauf zu sprechen, dass er sich für qualifiziert hält, weil er ehrlich, motiviert und zuverlässig ist.

Motiviert.

Er hat noch keinen Mitarbeiter der Fachschaften kennengelernt, mit denen er in Zukunft zusammenarbeiten muss. Auch seine möglichen Mitarbeiter scheint er noch nicht persönlich zu kennen. Bis jetzt ist von Motivation noch nicht viel zu erkennen.

Ehrlich.

In der Befragung wurde eins deutlich: dieser Mensch hat noch keine Ahnung von seinem zukünftigen Arbeitsumfeld. Ein kleiner Auszug des Frage-Antwort-Teils (aus meinem Gedächtnis):

  • AStA-Shop
    Der könne wieder gemacht werden. Solange er Gewinn abwirft, spricht aus seiner Sicht nichts dagegen.
    Der AStA ist die Studierendenvertretung. Der Shop soll Material fürs Studium zu Preisen zur Verfügung stellen, die niedriger sind als auf dem freien Markt. Der Shop sollte daher maximal plus/minus Null laufen. Mögliche Gewinne sollten in Form niedrigerer Preise im Shop sofort an die Studenten weitergegeben werden. Sonst ist der Shop nichts anderes als McPaper.
  • Haushaltsvolumen
    Laut dem Kandidaten ist das Haushaltsvolumen des AStA ungefähr 11 Mio. Ich habe keine Ahnung, aber es scheint mir seltsam. edit 15.07.2011: Ich hatte keine Ahnung! Das Volumen stimmt.
  • Projektleiter
    Gefragt nach seinem Team berief er sich immer darauf, dass er ein starkes Team habe. Ehemalige Finanzreferenten und mindestens einen der aktuellen Projektleiter. „Den habe ich auch schon kennengelernt“. Nach diesen Worten dreht er sich nach hinten und fragt: „das bist Du, oder?“

Das Problem dieses Kandidaten war: er hatte keine Ahnung. Das muss nicht schlimm sein, jeder fängt mal klein an. Leider war er nicht in der Lage zu kommunizieren, dass er sich noch nicht einarbeiten konnte und daher zu Fachfragen keinerlei Stellung abgeben kann. Er versuchte stattdessen, auf jede Frage irgendwie zu antworten, was immer wieder ziemlich daneben ging.

In der Befragung wurde er komplett bloßgestellt und ich habe keine Ahnung, mit welcher Rechtfertigung er am Ende auch nur eine einzige Stimme bekommen konnte. Er hat die Wahl mit absoluter Mehrheit gewonnen. Die Befragung war reine Makulatur. Die Mehrheiten standen vorher.

Vielleicht war dieser Mensch die richtige Wahl. Ehrlich war er nicht. Und weil er Ehrlichkeit für so wichtig hält, hätte er selber einsehen können, dass er seinen Ansprüchen schon vor Amtsantritt nicht gerecht wird.

Welches Argument für ihn spricht? Auf die Frage nach seinen Stärken und Schwächen antwortete er u.a. mit Ehrlichkeit als Stärke. Schwächen habe er keine. Es gibt kein Argument, was an diesem Abend dafür sprechen konnte, diesem Menschen die Stimme zu geben. Außer der Alternativlosigkeit.

Hoffen wir, dass er wenigstens zuverlässig ist… 

Preisabsprachen

oder: aus Fehlern lernen…

In unregelmäßigen Abständen müssen wir für unseren Verein Druckaufträge erledigen lassen (T-Shirts, Aufkleber, Banner, Trainingsanzüge). I.d.R. wählen wir dafür immer den gleichen Bedrucker. Nach Problemen mit dem letzten (Terminabsprachen mehrfach nicht eingehalten) haben wir zu einem gewechselt, der mit günstigen Preisen und umfangreichen Angebot überzeugen konnte. Es war einer von wenigen in Aachen, der auch besticken kann.

Vielleicht hätten wir aus der Vergangenheit lernen sollen: Ein angefordertes Stickmuster war so schlecht, dass man es eigentlich auf keinen Anzug hätte sticken lassen können. Was uns damals geritten hat, es trotzdem dort machen zu lassen, weiß ich nicht, dass Ergebnis war jedoch, im krassen Gegensatz zum Muster, absolut perfekt. Außerdem waren Terminabsprachen auch bei dem neuen Bedrucker in der Vergangenheit eher Glückssache gewesen.

Heute sollte wieder eine Ladung bestellter T-Shirts fertig werden. Zu meiner Freude klappte es diesmal sogar zum vereinbarten Termin. Leider konnte ich nicht selber zum abholen in den Laden. Der Preis pro T-Shirt von 12 Euro war mündlich mit mir abgesprochen. 15 Euro sollte die Abholerin pro T-Shirt auf den Tisch legen. Obwohl die Abholerin energisch widersprochen hat, setzte sich der Mitarbeiter durch. Er behauptete, das Logo hinten habe sich geändert, darum sei das teurer geworden, dass sei aber mit mir abgesprochen und immer noch billiger, als es eigentlich hätte sein müssen.

Richtig ist: das Logo hinten hat sich geändert; jedoch hatte ich das schon bei der Auftragserteilung gesagt. Erst danach habe ich den Preis von 12 Euro genannt bekommen. Von einer möglichen Abweichung nach oben oder unten war keine Rede. Auch nachdem ich eine eMail mit dem neuen Logo geschickt habe, in der ich den Auftrag noch mal wiederholt habe, hielt man es nicht für angebracht, mich über den zu erwartenden Preisunterschied zu informieren.

Es gab sogar noch ein Telefonat. Ich hätte misstrauisch werden können, denn alles, was wir sowohl mündlich als auch per eMail eigentlich schon geklärt hatten musste ich nochmal bestätigen. Alles, außer dem Preis. Dafür musste ich noch mal beschreiben welche und wie viele T-Shirts ich abgegeben hatte, denn die konnte er scheinbar nicht mehr eindeutig zuordnen.

Vielleicht hätte mir schon früher klar sein können, dass das nicht gut enden kann: kurz nach unserem Weggang von dem alten Bedrucker hat der sein Geschäft aufgegeben. Unser neuer Bedrucker, so erfuhr ich leider erst nach unserem ersten Auftrag, hat daraufhin dieses Geschäft unter neuem Namen an anderer Stelle wieder eröffnet. Die Inhaber vom neuen und alten Laden sind Brüder.